Reisebericht Kanada

Freitag, 03.09.2004

Unser Flug mit AirTransat von München über Halifax nach Toronto soll um 12.15Uhr starten. Wir heben mit einer viertel Stunde Verspätung auch fast pünktlich ab. Der Airbus A310 hat ultraschmale Sitze! Dafür ist die Beinfreiheit ganz o.k.. Das (etwas spärliche) Essen an Bord ist so lala und für alles außer Tee, Kaffee und Wasser wird extra kassiert. Wir bleiben beim Wasser.

Nach pünktlicher Ankunft und reibungsloser Einreise in Toronto – das Gepäck wurde durchgecheckt und ist auch da – bringe ich in Erfahrung wie wir zum Holiday Inn Select Hotel kommen. Der Shuttle-Bus bringt uns schließlich zum Hotel. Da das Hotelrestaurant nichts unter 22,00C$ bietet, suchen wir uns außerhalb was und stoßen auf das „Lone Star Texas Restaurant“ wo wir noch was essen bevor wir halbtot um 21.00Uhr Ortszeit ins Bett fallen.

Samstag, 04.09.2004

Bis um 1.30Uhr habe ich gut geschlafen, danach in Etappen bis 6.00Uhr eher mäßig. Keine frische Luft und die Zeitverschiebung taten ein Übriges. Nach dem Duschen geht’s aber wieder besser und nach dem Frühstück haben wir bei Cruise Canada angerufen. Wir werden um 14.00Uhr hier abgeholt (ist angeblich günstiger als ein Taxi). Bis dahin lesen wir und machen uns noch lang. Wahrscheinlich werde ich auf dem KOA bei den Niagara Fällen noch einen Platz reservieren und wir haben geplant wohl 2 Nächte zu bleiben – sonst wird’s zu stressig.

Tja – versuchen kann man’s ja mal, allerdings war der KOA schon „booked“ ?!

Der Cruise Canada Abholservice war super pünktlich. Los ging’s mit einem anderen deutschen Ehepaar, die den gleichen Camper wie wir gebucht hatten.

Im Büro war dann Uta, die prima deutsch spricht und hat uns eingewiesen. Sie war wirklich unheimlich nett und ihr Chef, der heute seinen 44. Geburtstag hatte, hat uns einen 25 feet-Camper mit direktem Durchgang in den Wohnbereich statt des gebuchten 22 feet Pick-Up angeboten. Das haben wir dann auch angenommen und unsere Mitstreiter aus dem Hotel haben der Gerechtigkeit halber den gleichen Typ bekommen. Die Demo hatten wir gemeinsam und dann hätte es fast schon losgehen können. Allerdings war die Frage wohin. Da am Montag hier Feiertag ist und mit diesem die 2 ½ Monate Schulferien vorüber sind, meinte Uta, dass es mit Campingplätzen knapp werden könnte. Wir haben im Büro u.a. auch den Woodall’s Campground Directory bekommen und ich durfte von dort aus telefonieren und versuchen einen Platz zu reservieren. Den ersten (aus dem Reiseführer) gab es nicht mehr, beim zweiten Versuch hat es gleich geklappt. Beim Campark Resorts habe ich reserviert und dann haben wir uns auf den Weg gemacht zum Ersteinkauf und anschließend – mit leichten Orientierungsschwierigkeit dank beschissener Karten – zu den Niagara Fällen, wo wir um kurz vor 21.00Uhr endlich ankamen. Der Empfang war sehr nett und wir waren beide völlig fertig. Also schnelle Küche und dann nix wie ins Bett.

Sonntag, 05.09.2004

Um 7.00Uhr haben wir beide nach einer durchwachsenen Nacht endgültig ausgeschlafen und machen uns auf den Weg zu den Duschen. Klaus hat furchtbar Kopfschmerzen und ihm ist auch noch schlecht dabei, also fast schon Migräne. Wir frühstücken zwar noch, aber dann legt er sich nochmal ins Bett und ich lese und bringe den Rest unseres neuen Heimes in Ordnung. Gegen 11.45Uhr brechen wir dann aber doch auf, kaufen uns ein Ticket für den Shuttle Bus (6C$ pro Person, gilt den ganzen Tag) und fahren los. An den Fällen ist die Hölle los – Menschen und Leute in Heerscharen. Und das bei hochsommerlichen Temperaturen, was Klaus’ Verfassung auch nicht gerade zuträglich ist. Die Wasserfälle an sich sind allerdings wirklich beeindruckend. Allerdings sehen wir sie „nur“ von oben weil bei der „Maid of the Mist“ ewige Schlangen standen und wir auf die „Journey behind the Falls“ 2 ½ - 3 Stunden hätten warten müssen. Also fahren wir gegen 15.30Uhr wieder zurück zum Campingplatz und erholen uns erstmal. Mal sehen, ob wir heute Abend nochmal reinfahren und vom Skylon Tower aus die beleuchteten Fälle bewundern. Aber das kann bestimmt auch nicht schöner sein als die „Naturbeleuchtung“ durch den wundervollen Regenbogen, den wir beim Zurückgehen zum Bus gesehen haben.

Obwohl Klaus gar nicht danach ist und ich eigentlich auch müde bin, wollte ich trotzdem noch auf den Skylon Tower und Klaus ist mir zuliebe mitgekommen. In meinen Augen hat es sich auch gelohnt – die Eindrücke von dort oben mit den beleuchteten Fällen waren toll.

Montag, 06.09.2004

(Labour Day)

Um 10.10Uhr sind wir soweit, dass wir aufbrechen können. Los geht’s in Richtung Norden. Wir wollen heute einen Fahrtag einlegen und mindestens bis Owen Sound, besser noch bis Tobermory kommen. Wir legen nur einen kurzen Mittagsstop bei Mc Donald’s ein (alle anderen Geschäfte haben wegen des Feiertags nämlich zu) und fahren dann tatsächlich bis Tobermory. Ich bin total enttäuscht weil der Ort eigentlich gar keiner ist – ein paar völlig zerstreut liegende Häuser und nichts vom Nationalpark zu sehen. Wir überlegen, ob wir morgen gleich weiter fahren und mit der Fähre nach Manitoulin Island übersetzen. Aber erstmal suchen wir uns einen Campingplatz für die Nacht. Nach Hinweis durch ein anderes Paar entscheiden wir uns doch für den am Highway 6, der offensichtlich von Deutschen geführt wird. Entsprechend dreckig sind die sanitären Anlagen aber gut der Tip fürs Abendessen im Golf Club gleich gegenüber. Außerdem hat sie mir erzählt, dass man am Hafen die Fähren reservieren kann und es dort ziemlich viel Infomaterial über die Gegend gibt, v.a. wenn das Infozentrum zu hat. Dort sind wir dann auch hin und nach ein bißchen stöbern haben wir entschieden, den morgigen Tag doch hier zu verbringen und am Mittwoch die erste Fähre um 8.50Uhr zu nehmen. Wir bummeln noch etwas am Hafen entlang und gehen dann zum Essen, bevor wir einmal mehr todmüde ins Bett fallen. Am Abend hat es noch ziemlich stark geregnet, nachdem es am Tag sehr windig war. Aber wir haben trotzdem geschlafen.

Dienstag, 07.09.2004

Heute haben wir schon länger geschlafen und ich habe mich überwunden zu duschen. Es ging so einigermaßen. Um 11.00Uhr haben wir die 1 ½stündige Bootstour gemacht. Bei herrlichem Sonnenschein hat uns der Wind kräftig um die Ohren geweht und an Deck waren wir froh um unsere Jacken. Die Schiffswracks im Big Tub Harbour und die Felsformationen auf Flowerpot Island waren besonders interessant. Anschließend haben wir unsere Vorräte wieder aufgefüllt und sind dann zum Cyrpus Lake Campground gefahren, wo wir heute Nacht bleiben wollen. Das ist morgen zwar ein bißchen weiter zur Fähre und wir müssen gegen 7.00Uhr hier aufbrechen (da wir 1 Std. vor Abfahrt am Anleger sein müssen), aber angeblich schlägt dort das Herz des Bruce N.P.. Wir bekommen problemlos einen Platz, lesen das Infomaterial und machen uns dann auf den empfohlenen, gut zweistündigen Weg. Ein Stückchen auf jedem ausgeschilderten Weg – Cyprus Lake Trail, Georgian Bay Trail, Bruce Trail und zurück auf dem Marr Lake Trail. Highlight waren Halfway Rock, Indian Head Cove und natürlich Grotto – alles beeindruckende Felsformationen entlang des Bruce Trail. Nach unserer Rückkehr lassen wir diesen herrlichen, sonnigen Tag langsam ausklingen und hoffen auf noch mehr so schöne und erlebnisreiche Tage

Mittwoch, 08.09.2004

Wir starten kurz nach 7Uhr, damit wir etwas mehr als eine Stunde vor Abfahrt bei der Fähre sind. Ein Tag mehr mit herrlichem Sonnenschein. Wir überbrücken die Zeit bis zum Einschiffen mit einer schnellen Tasse Kaffee und ein paar Muffins. Die Überfahrt verbringen wir komplett an Deck und ich schlafe in der Sonne an einem windgeschützten Plätzchen fast ein. Dann erreichen wir Manitoulin Island und ich finde es schade, dass der Weg zum Westende so weit ist, dass man nicht mal eben einen Abstecher machen kann. Wir halten dann beim Ten Mile Point, wo man einen herrlichen Blick auf die Georgian Bay hat. Dann geht es weiter bis zu unserem Tagesziel North Bay. Wir kaufen noch bei A& P ein und fahren dann zu dem Campingplatz, den wir uns zuvor bei einem Blick über den Lake Nipissing ausgesucht hatten. Die Duschen sind einfach aber sauber und wir werden sie morgen vor dem Aufbruch testen.

(Tageskilometerzähler bis Sudbury insgesamt 764km.)

Donnerstag, 09.09.2004

Unser Weg führt uns heute zum Algonquin Provincial Park. Leider spielt das Wetter heute nicht – wie laut Wettervorhersage – mit, es regnet fast den ganzen Weg über Huntsville bis zum Park. Wir erkundigen uns am Westeingang des Parks und erfahren, dass wir die Gebühren für die Tagesnutzung (12,-C$ pro Tag) nicht zu entrichten brauchen, wenn wir auf einem der Campingplätze im Park übernachten. Das haben wir ohnehin vor. Auf dem Weg dorthin machen wir aber zuvor noch den Whiskey Rapids Trail, wobei wir uns unter (Strom-) Schnellen dann doch etwas anderes vorgestellt haben. Das ganze ist auch ein ziemlich nasses Vergnügen, sowohl von oben als auch von unten. Klaus hat dann auch keine Lust mehr auf einen weiteren Trail und ich hänge den Hardwood Lookout Trail noch dran, der mich allerdings auch nicht vom Hocker reißt. Die Laubverfärbung beginnt gerade erst und bei dem Regen ist es auch nicht so toll rum zu stiefeln. Mittlerweile ist es auch nach 16Uhr und wir sichern uns einen Platz auf dem Mew Lake Campground, von wo aus wir später, als es aufgehört hat zu regnen, noch einen Abendspaziergang machen in der vergeblichen Hoffnung vielleicht doch noch irgendein Wildtier zu sehen.

Freitag, 10.09.2004

Wir verlängern noch einen Tag, da uns der Wettergott heute wieder hold ist und die Sonne vom Himmel lacht. Nach dem Two Rivers Trail (wir finden kaum einen Fluß) machen wir erst noch den Spruce Bog Boardwalk, der zwar einfach aber ebenso langweilig ist. Anschließend entscheiden wir uns für den Beaver Pond Trail, weil wir hoffen hier vielleicht doch einen Biber erspähen zu können. Aber diese Biberdämme werden anscheinend seit Jahren von keinem Biber mehr gepflegt – jedenfalls macht es den Eindruck. Nachdem Klaus sein Knöchel und mir mein Knie weh tut und wir mittlerweile beide Hunger haben, machen wir am Lake of Two Rivers Picknick, schauen dann noch in den Two Rivers Store ohne was zu kaufen und entscheiden dann zum Campingplatz zurück zu fahren und die restlichen Sonnenstrahlen zu genießen.

Samstag, 11.09.2004

Wir machen uns zur gewohnten Zeit (gegen 10 Uhr) auf den Weg und sehen uns auf dem Weg zum Ost-Tor des Parks noch das Algonquin Logging Museum an. Es ist sehr interessant zu sehen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Mitteln seit dem Beginn des 19. Jhdts. und bis heute Holzabbau betrieben wird. In 2/3 der Fläche des Parks wird auch heute noch Holzwirtschaft betrieben. Es ist ein strahlend schöner Tag und wir machen uns auf den Weg in Richtung Ottawa. Bei einem Zwischenstopp in Renfrew, wo gerade eine Art Volksfest stattfindet und daher jede Menge Verkehr ist, rufe ich bei Antje und Birgit an und erfahre, dass auch daheim alles in Ordnung ist. Wir fahren weiter und da keiner der im Woodall’s beschriebenen Campingplätze die Möglichkeit erwähnt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu gelangen, fahren wir einfach mal drauf los. Irgendwann kommt ein Hinweisschild, dass man sich für die Tourist-Info in Richtung Rue Metcalfe halten soll. Das tun wir dann auch, woraufhin wir feststellen müssen, dass wir mitten nach Downtown Ottawa geschleust werden und wegen der Höhe unseres Campers nicht ins angebotene Parkhaus kommen. Nachdem wir zwei Mal um den Block gefahren sind, bitte ich Klaus in einer Ladezone zu parken und im Auto zu bleiben, bis ich die dringend nötigen Informationen von der Touristinfo besorgt habe. Das klappt dann auch und Gott sei Dank ist der Weg zum empfohlenen Campingplatz zwar ewig weit aber denkbar einfach. Immer der Bank Street stadtauswärts folgen. Nachdem die in der Innenstadt bei 1 anfängt und der Campground die Nummer 5227 hat, kann man sich den Weg ungefähr vorstellen, vor allem wenn alle paar Meter eine rote Ampel kommt. Aber schließlich schaffen wir’s doch noch. Der Platz ist nicht so toll, direkt an der Straße und die Schnaken fressen uns fast auf. Wir essen noch was und gehen dann ins Bett um für Ottawa Downtown morgen fit zu sein.

Sonntag, 12.09.2004

Wir fahren ca. 10km mit dem Camper und parken – verbotenerweise – beim Wal Mart in South Keys. Vor dort nehmen wir – wie angegeben – den Bus #97 nach Downtown. Die Busfahrerin ist sehr nett und „verordnet“ uns ein Tagesticket für 6,75C$, wodurch wir kreuz und quer jeden Bus nutzen könnten. Eine Einzelfahrt hätte pro Person 2,60C$ gekostet. Nach unseren Erfahrungen vom Vortag hatten wir schon befürchtet, dass wir wenigstens eine Stunde mit dem Bus in die Innenstadt brauchen. Aber zu unserer Überraschung gibt es hier extra Busrouten, die nur von den öffentlichen Bussen benutzt werden dürfen und so sind wir ruck zuck beim Parliament Hill. Da ist gerade eine Zeremonie im Gange, mit vielen Uniformierten und Dudelsack-Spielern sowie einer riesigen kanadischen Fahne. Wir erkundigen uns wegen Stadtrundfahrten und Schifferlfahrten und natürlich nach der Führung durch die Parlamentsgebäude. Aber letztendlich gehen wir – aus unterschiedlichen Gründen – dann doch alles zu Fuß. Wir klappern den im Reiseführer vorgeschlagenen Weg ab und genießen herrliche Ausblicke auf Rideau Kanal, Ottawa River mit Gatineau dahinter und bummeln durch die Sparks Street um dann auf der anderen Seite des Rideau Kanals im Rideau Centre was zu essen und bei Starbuck’s einen Cappuccino zu genießen. Dann geht’s noch zur Basilika de Notre Dame und an den Schleusen des Rideau Kanals zurück zum Parliament Hill. Kurz nach 16Uhr nehmen wir den Bus zurück zum Campingplatz.

Montag, 13.09.2004

Nachdem die Duschen gestern nicht so toll waren, gibt es heute nur eine Katzenwäsche und um 9.00Uhr geht’s los in Richtung Montreal, wo wir hoffen ein Plätzchen auf dem KOA zu bekommen. Das erweist sich als völlig problemlos, allerdings ist der Weg dorthin relativ kompliziert. Montreal ist eine typische Großstadt und die Straßen dementsprechend. Wir kommen schon mittags am Campingplatz an und der Shuttlebus geht nur morgens um 9 Uhr. Aber man kann mit dem RV bis zur Metrostation Longeuil fahren und dann die Stadt mit einem Tagespass für 8,- C$ kreuz und quer erkunden. Das klingt gut und als wir endlich auch einen Parkplatz und sogar die Metro gefunden haben geht’s los. Wir „landen“ im Bankenviertel und suchen verzweifelt was zum Essen. Der Weg ins Vieux Montréal bringt uns zum goldenen M und damit – ausnahmsweise - die "Rettung". Nachdem wir uns in die Basilique de Notre Dame reingeschmuggelt haben ohne die 4,- C$ pro Person zu zahlen, die verlangt werden, sehen wir uns die schöne Kirche an und versuchen dann noch in den Park Mont Royal zu kommen, von wo aus man eine schöne Aussicht über die Stadt haben soll. Das gelingt uns zwar nicht, aber wir laufen ein paar Kilometer mehr und haben eine nette Begegnung als wir nach der nächstliegenden Metrostation fragen. Der nette Mountainbiker hat einen deutschen Schwager und seine Schwester in München – die Welt ist klein.

Wir haben die Nase endgültig voll, fahren mit Zwischenstopp beim Supermarkt zurück zum Campingplatz und haben beschlossen am nächsten Tag die 3 Stunden – Stadtrundfahrt mit dem Bus zu machen und um 18.00Uhr von der City aus zurück zum KOA zu fahren.

Dienstag, 14.09.2004

Um 9.00Uhr ist Abfahrt. Die Stadtrundfahrt beginnt erst richtig von der City aus und wir fahren durch das alte Montréal, zum Olympischen Stadion und zum L’Oratoire Saint-Joseph du Mont-Royal, einer der größten Basiliken der Welt und einem Wallfahrtsziel. Es sind über 100 Treppenstufen, die die Wallfahrer teilweise auf den Knien hochgehen. Die Architektur auf den Berg gebaut ist beeindruckend – ich habe noch nie eine Kirche besucht, in deren Inneren Rolltreppen verlaufen! Zum Schluß geht es noch zu dem Aussichtspunkt, den wir am Vortag im Leben nicht gefunden hätten. Zurück in der City gehen wir diesmal gepflegt bei einem Italiener Essen und zahlen zu zweit für Suppe/Salat, Pizza, Tiramisu und Kaffee 31,90C$ plus Trinkgeld. Frisch gestärkt erkunden wir nochmal andere Winkel des alten Montréal mit dem Place Jacques-Cartier und machen uns durch Chinatown oder besser gesagt das Quartier Chinois auf den Weg ins Shoppingviertel, wo wir uns einen kleinen Teil des riesigen unterirdischen Shopping-Netzwerkes incl. Centre Eaton anschauen und ein paar CDs kaufen. Schließlich sind wir froh, dass uns um 18.00Uhr der Bus zurück zum KOA bringt.

Mittwoch, 15.09.2004

Wir machen uns auf den Weg in Richtung 1000 Islands, jedoch nicht ohne vorher wenigstens eine Runde auf den Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile de Notre Dame zu drehen. Unser Camper steht natürlich auf der Pole Position und wenn beim nächsten Mal das F1-Rennen aus Montréal übertragen wird, können wir richtig mitreden.

Auf dem Weg nach Cardinal wird es zunehmend wärmer. Wir nutzen das schöne Wetter und sehen uns noch das Upper Canada Village an. Das ist zwar sehr nett gemacht, aber für uns, die wir eine so lange Geschichte haben, natürlich nichts so Besonderes wie für die Kanadier. Die alten Pferdekutschen und –Schlitten sind aber sehr interessant, ebenso wie die Herstellung von der Wolle bis zur Decke. Schließlich fahren wir auf einen schön gepflegten KOA und lassen den Tag ausklingen.

Donnerstag, 16.09.2004

Wir starten relativ spät und tanken erst mal Benzin und Propan. Dann sehen wir uns den Iroqois Sea Lock an – allerdings mit viel Glück sehen wir gerade mal das Boot der Küstenwache durchschippern; von wegen internationaler Schiffsverkehr! Aber das Wetter ist herrlich und so machen wir auf dem Weg zum KOA in Ivy Lea nachmittags noch Station am Hafen von Brockville und lassen den Blick über das Wasser und rüber ans andere US-amerikanische Ufer streifen, bevor wir den Campingplatz ansteuern. Wir kaufen noch Feuerholz aber am Abend fängt es noch heftig zu regnen an, so dass wir froh sind es heute nicht mehr eingesetzt zu haben. Ich schlafe heute mal im Alkoven und teste die Matratze dort oben, vielleicht hilft das ja meinem Kreuz.

Freitag, 17.09.2004

Um 10.00Uhr startet die 2stündige Bootsfahrt mit Stop am Boldt Castle, den wir allerdings getrost auslassen. Der Trip ist aber sehr schön, wenn auch an Deck recht frisch - aber trocken. Wir wärmen uns mit einem heißen Tee auf und fahren dann über die 1000 Island Bridge nach Hill Island, um aus 120m Höhe vom Skydeck auf die Inseln zu schauen. Dort treffen wir einen deutschen Kanadier, der seit 1956 in Kanada lebt und halten ein Schwätzchen. Im Souvenirladen erstehen wir für Klaus noch ein T-Shirt und ein Sweatshirt. Dann wollen wir uns noch Gananoque ansehen, was allerdings in einem A & P endet und so fahren wir dann wieder zum Campingplatz zurück, wo wir noch ein Bad in den Hot Tubs nehmen, bevor Postkarten geschrieben und die „Buchführung“ der letzten vier Tage nachgeholt wird.

Samstag, 18.09.2004

Die Nacht war furchtbar – ich habe noch weniger geschlafen als Klaus und nachdem ich um 5Uhr hellwach und an Schlaf nicht zu denken war, bin ich in den Alkoven ausgezogen und habe mit der Taschenlampe gelesen. Es war außerdem saukalt. Gegen morgen, nachdem Klaus die Heizung angemacht hatte, sind wir beide nochmal eingenickt und erst kurz nach 8Uhr zum Duschen gegangen. Nach Omelette-Frühstück war noch Großputz mit Wischen angesagt und so kamen wir erst nach 11.15Uhr vom Campingplatz weg. Auf Anraten unserer Nachbarn von gestern, die von Toronto raufgekommen waren, haben wir nicht den Highway 401 gewählt sondern sind auf der landschaftlich wunderschönen Strecke die 2 und die 33 entlang der Küste runter gefahren. Es war zwar recht windig und frisch aber strahlender Sonnenschein und blauer Himmel, was die Fahrt noch reizvoller gemacht hat. In Kingston haben wir nach einer Irrfahrt sogar noch einen Starbuck’s gefunden und Kaffeepause gemacht. Dann wurde die Straße von einer kurzen Fährfahrt unterbrochen. Dabei fiel mal wieder die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen hier auf. Der Kapitän hat allen erlaubt auf die Brücke zu gehen und sich drinnen alles anzusehen. Nach Wellington hat uns die Landschaft nicht mehr so gut gefallen und wir haben daher beschlossen doch nicht nach Brighton auf den KOA zu fahren, sondern Richtung Norden nach Marmor. Der KOA ist auch recht schön und wir kommen endlich zu unserem Lagerfeuer, obwohl das Holz keine Scheite sondern Schnittholz ist, was eine ziemliche Enttäuschung war. Trotzdem ist so ein Feuer etwas Schönes. Mal sehen welchen Weg wir morgen noch einschlagen – wahrscheinlich noch ein bißchen nördlich wegen der Laubfärbung, die stellenweise schon recht schön ist.

Sonntag, 19.09.2004

Die Nacht war saukalt und wir schmeißen morgens erstmal die Heizung an. Die heiße Dusche tut ein Übriges und es ist ein weiterer strahlender Sonnentag. Kurz nach 10Uhr brechen wir auf mit Ziel „Haliburton Highlands“ – die Bilder im Prospekt sind sehr ansprechend, ähnlich wie im noch weiter nördlich gelegenen Algonquin Park. Der Highway 35 nordwärts ist auf meiner Karte auch als „Scenic Byway“ gekennzeichnet, was wir allerdings nicht so richtig empfinden. Die Landschaft führt weiter nördlich durch große Waldgebiete und ab und zu spitzt ein See durch, allerdings ohne eine Picknick-Möglichkeit oder einen richtigen Parkplatz. Schließlich haben wir Minden erreicht, wo wir den weiteren Weg besprechen wollten. Klaus – immer noch auf der Suche nach einem schönen Rastplätzchen – fährt immer noch weiter, bis ich ihn bitte mal auf eine andere Straße zu fahren und anzuhalten, um zu besprechen wo’s weiter lang gehen soll. Er ist ziemlich fertig und genervt und ist sich sicher, dass wir einen Instinkt für doofe Routen haben und könnte sich in den Hintern beißen, daß wir gestern auf der 2/33 überhaupt noch weiter gefahren sind. Zumal es mit der Laubfärbung hier oben auch nicht wesentlich besser und die Landschaft eher langweilig ist. Das alles und die Aussicht auf einen letzten Tag, der nicht so ist, wie wir ihn uns vorstellen läßt uns kurzerhand umdrehen und die Nacht auf dem KOA Brighton verbringen. Im Prinzip also eine Schneiderfahrt – aber was soll’s; in dem großen Land muss man halt hin und wieder Lehrgeld bezahlen.

Montag, 20.09.2004

Ich wache mit fürchterlichen Kopfschmerzen auf und mir ist schlecht. Nach dem Frühstück draußen machen wir uns auf den Weg und überlegen, was wir tun sollen. Zunächst möchte ich gerne nach Brighton, das wir uns gestern nach der langen Fahrt nicht mehr angeschaut hatten. Und nachdem das Wetter so schön ist und ich gesehen hatte, daß direkt nach Brighton am Lake Ontario unten der Presqu’ile Provincial Park liegt, wollte ich dort ein bißchen Zeit am Wasser verbringen, bevor wir etwas anderes tun. Es stellt sich raus, dass der Park „bewirtschaftet“ ist und schöne Campingplätze hat, worauf wir uns entschließen einen für heute Nacht zu reservieren (dank des netten Mannes vom Park genau dort wo wir wollten, nämlich fast direkt am Wasser). Wir fahren noch kurz nach Brighton, ich bringe endlich meine Postkarten los und wir gehen noch einen Kaffee trinken, bevor wir in den Park zurück fahren und dort ca. 3 ½ Stunden zu Fuß durch die Gegend streifen. U.a. durch den größten Matsch, was eine Fußwaschung im Lake Ontario nach sich zieht. Wir treffen auf deutsche Auswanderer, Heinz und Hannelore (mit Golden Retriever "Daisy"), die uns noch zu sich ans Lagerfeuer einladen. Während ich dort vorbei schaue macht Klaus den Abwasch. Dann lese ich noch ein bißchen vor und jetzt wird noch die Stimmung draußen gewürdigt, bevor es ab in die Falle geht.

Dienstag, 21.09.2004

Klaus kommt heute kaum aus den Federn. Erst nach dem Bauernfrühstück (muß ich heute Brot essen? Nein – wir machen uns ein Bauernfrühstück) kommt er langsam in die Gänge. Aber es geht alles ein bißchen gemächlicher und so wird es etwas später, bis wir noch die Runde durch den Park bis zum Leuchtturm drehen, ehe wir uns in Richtung Toronto auf den Weg machen. Nach Anweisung von Heinz und zu Rate gezogener Landkarte fahren wir die 401 West, dann (über die 409) auf die 427 Nord bis zum Ende, kurz auf der 7 ehe wir auf die 50 rechts abbiegen. Das hat den Vorteil, dass wir schon mal an Cruise Canada vorbei fahren. Der empfohlene Campingplatz „Albion Hills“ in der Recreation Area von Toronto liegt nämlich ebenfalls an der 50, nur ca. 10 – 15 Autominuten weiter nördlich. Wir suchen uns selbst einen Platz und deponieren das Geld im vorgesehenen Umschlag am Eingang. Es gibt Wasser und Elektro-Anschluss und trotz Zwischenstopp bei Zehrs zum Getränkekauf sind wir kurz nach 15 Uhr auf dem Campingplatz. Bei besagtem Einkauf haben wir noch etwas sehr interessantes gelernt: in Kanada ist es steuerlich ein wesentlicher Unterschied ob ich 4 Donuts kaufe oder 6 und mehr. Bis einschließlich 5 Stück muß nämlich Steuer extra (wie in Kanada grundsätzlich üblich wird alles ohne Steuer ausgezeichnet) bezahlt werden. Es sei denn man kauft 6 Stück oder mehr – dann kostet es keine extra Steuer. Darauf hat uns die Dame an der Kasse aufmerksam gemacht und gesagt „Don’t ask why – maybe they think if you buy 6 or more it’s mail“.

Wir trinken in aller Ruhe im Schatten (in der Sonne ist es viel zu warm) unseren letzten Kaffee und essen besagte Donuts, bevor ich mich ans packen mache. In den Schalenkoffer kommt so ziemlich alles was wir nicht mehr brauchen – und das ist jede Menge. Irgendwie bekommen wir ihn aber doch zu und stellen ihn in die Ecke. Wir veranstalten abends noch ein Resteessen, müssen aber leider doch einiges wegschmeißen – so ist das halt immer, obwohl wir einigermaßen gut kalkuliert haben. Die letzten Arbeiten und dann die letzte Nacht getrennt schlafen, bevor uns morgen ein Hotelbett erwartet. Wir wollen gleich um 9 Uhr bei der Station sein, damit wir den guten halben Tag noch in Toronto unterwegs sein können. Hoffentlich klappt’s – wir werden sehen.

Mittwoch, 22.09.2004

Nachdem wir bei Zehrs noch mal Donuts (dieses Mal 6 Stück) gekauft und getankt haben, geben wir völlig problemlos unser Wohnmobil ab. Wir sind insgesamt 3051 Kilometer gefahren. Andy fährt uns für 55C$ zum Quality Hotel Downtown in der Lombard Street. Das Hotel liegt wirklich prima und ist sehr ordentlich, wesentlich schöner als das für die erste Nacht. Wir bekommen auch gleich einen kleinen Stadtplan und Infos, wo man am besten Geld ausgeben kann. Nach einer kurzen Frühstückspause machen wir uns auf den Weg. Über die Jarvis Street runter bis zur Front Street. Die laufen wir vor in Richtung CN Tower und haben schon einige der interessanteren Bauten passiert, die wir dann noch mal bei der Bus-Tour kurz erläutert bekommen. Da wir für 20,- C$ eine kombinierte Bus- und Bootstour gebucht haben geht es anschließend aufs Wasser. Der Blick auf die Skyline von Toronto ist ebenso schön wie die kleinen Flugzeuge zu beobachten, die auf dem City Airport landen. Nach einer ¾ Stunde auf dem Wasser bringt uns der Bus zurück zum Planet Hollywood (Wesley Snipes) am Fuße des CN-Towers. Bevor wir den allerdings rauffahren machen wir bei Starbucks noch eine kleine Kaffeepause in der John Street. Dann geht’s aber ab oder besser gesagt rauf und zwar mit einem flotten Außenaufzug, der 20km/h schnell nach oben saust. Da kommt man kaum mit dem Druckausgleich nach. Wir nehmen das kombinierte Ticket mit dem wir auf alle Ebenen dürfen, also nicht nur Observation Deck und Glass Floor sondern auch auf das 447m hohe Skypod.

 Die Aussicht war überwältigend, vor allem auf dem Glass Floor. Da werden die Hände ziemlich schnell feucht, wenn man durch das Plexiglas am Tower entlang bis auf den Boden schaut. Ich habe es geschafft mich auf’s Glas zu stellen, Klaus hat gestreikt. Auf jeden Fall ein ziemlich mulmiges Gefühl. Wir halten uns relativ lang auf dem CN Tower auf und beschließen dann doch noch zu versuchen mit der normalen Fähre zu einer Insel zu fahren, um die „blaue Stunde“ mit Blick auf die Skyline von Toronto in der untergehenden Sonne zu erleben. Nach einem flotten Marsch bis zur Ecke Bay Street kommen wir gerade recht. Für 6,- C$ pro Person fahren wir von 19.15 – 20.00Uhr mit der Fähre zu den Inseln und – ohne auszusteigen – wieder zurück. Das war genau die richtige Zeit, erst in der Dämmerung und dann mit der ganzen Beleuchtung – das sah einfach super toll aus. Der Skydome wird von unten blau angestrahlt und glänzt direkt neben dem CN Tower; das ist schon ziemlich beeindruckend. Nach unserer Rückkehr zum Anleger haben wir so langsam Hunger und suchen und ein einigermaßen ruhiges Restaurant. Wir sehen erst am nächsten Tag, dass das Baton Rouge im Eaton Centre liegt. Ist aber auch egal – wir essen heute auf die Luksch-Eltern und zwar ein wunderbares Steak mit Salat und Baked Potatoe. Das Bier zischt auch und anschließend wollen wir nur noch ins Hotel und ins Bett, was wir auch tun.

Donnerstag, 23.09.2004

Wir lassen uns Zeit und „frühstücken“ gegen 9.00Uhr – was man so Frühstück nennt. Eigentlich würde ich es eher als Katastrophe bezeichnen – alles von Plastik-/Styropor-Geschirr und von bescheidener Qualität. Wie dem auch sei – wir packen in Ruhe unsere sieben Sachen, checken kurz vor 11.00Uhr aus und stellen unsere Koffer dann im Hotel ein. Wir ziehen los ins Eaton Centre um zu bummeln. Das ist alles ziemlich schicki micki und nicht so unser Ding. Allerdings ist eine Modeschau am laufen, bei der als Stargast George Foreman eingeladen ist, von dem ich dann auch ein Foto ergattere. Und für Alena finde ich ein süßes Nicki-Oberteil und Hose in schwarz mit pinkfarbenem Streifen – wie ich von Alex weiß also modisch schwer im kommen. Wir trinken bei Starbucks noch einen Kaffee und geben unser (fast) letztes Geld für meine Bienfait-Creme aus (weil es ein Geschenk-Päckchen von Lancome dazu gibt). Dann kriegt Klaus endlich noch seinen heiß ersehnten Hotdog und für uns beide ein Softeis bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machen. Das Taxi ist für 16.00Uhr bestellt und schon früher da, um uns für die Flat Rate von 43,- C$ zum Flughafen zu bringen. Alles klappt ganz prima, der Verkehr ist zwar dicht aber es ist kein richtiger Stau. Wir sind also zeitig da und geben unser Gepäck bei einer ziemlich unfreundlichen AirTransat-Tante auf. Da die Exit-Plätze angeblich alle gebucht sind quetschen wir uns also in Reihe 11 und lassen die 1 Std. 40 Min. bis Halifax, die knapp 2 Stunden Aufenthalt dort und die 6 ½ Stunden bis München über uns ergehen. Überpünktlich landen wir sicher um 10.30Uhr in München und freuen uns auch wieder auf zu Hause.